Cannabis rauchen vs. vaporisieren: Atemwege, CO und Lungenfunktion

Der am besten direkt untersuchte Unterschied liegt bei der Exposition: Ein bestimmter Dry-Herb-Vaporizer führte in kleinen kontrollierten Studien zu weniger ausgeatmetem Kohlenmonoxid als gerauchtes Cannabis. Für weniger langfristige Lungenerkrankungen durch den Umstieg fehlen deutlich belastbarere Daten. Husten, Lungenfunktion, bildgebende Veränderungen und Krebs sind unterschiedliche Endpunkte und sollten getrennt bewertet werden. Abrams et al. (2007) Newmeyer et al. (2017) Ghasemiesfe et al. (2018)

Welche Frage beantworten die verschiedenen Messungen?

Ausgeatmetes CO ist ein Marker für eine bestimmte Exposition, keine Diagnose einer Lungenerkrankung. Ein Fragebogen kann Husten, Auswurf oder pfeifende Atmung erfassen. Spirometrie misst dagegen Luftvolumina und Flüsse. Bildgebung kann strukturelle oder funktionelle Auffälligkeiten zeigen. Keine dieser Ebenen ist automatisch ein Ersatz für die anderen.

Ein Symptomrückgang kann praktisch relevant sein, ohne bereits eine nachgewiesene Verringerung des COPD-Risikos zu bedeuten. Ebenso macht eine unauffällige einzelne Messung die gesamte Exposition nicht unbedenklich. Deshalb ist die Frage „Ist Vaporisieren besser für die Lunge?“ wissenschaftlich nur mit Angabe des konkreten Endpunkts sinnvoll zu beantworten. Van et al. (2010) Ghasemiesfe et al. (2018)

Was zeigen die direkten CO-Vergleiche?

Abrams untersuchte 18 gesunde Cannabisnutzer im kontrollierten Vergleich von Cannabiszigarette und Volcano. Der geringeren CO-Exposition beim Vaporisieren stand eine ähnliche THC-Exposition gegenüber. Die zweite kontrollierte Untersuchung mit 20 Personen verglich Rauchen, Vaporisieren und orale Gabe; auch dort lag der CO-Anstieg beim Rauchen höher. Abrams et al. (2007) Newmeyer et al. (2017)

Die Stärke dieser Arbeiten ist der direkte Vergleich unter definierten Bedingungen. Die Grenzen sind die kleinen Stichproben, konkrete Geräte und kurze Beobachtung. CO ist zudem nur ein einzelner Marker. Aus seiner Reduktion lässt sich keine Prozentzahl für die Gesamtheit aller inhalierten Stoffe und erst recht nicht für lebenslange Krankheitsrisiken bestimmen.

Wie stark ist der Zusammenhang zwischen Cannabisrauch und Husten?

Der systematische Review von Ghasemiesfe umfasste 22 Studien. Die gepoolte Analyse von zwei prospektiven Studien fand ein relatives Risiko für Husten von 2,04 (95%-KI 1,02–4,06) und für Auswurf von 3,84 (1,62–9,07). Die Autorinnen und Autoren bewerteten die Evidenz zu respiratorischen Symptomen als gering. Die Zahlen stammen also nicht aus 22 gleichartigen randomisierten Versuchen. Ghasemiesfe et al. (2018)

Ein relatives Risiko von 2,04 beschreibt das Verhältnis zweier Gruppenraten. Es bedeutet nicht, dass jede konsumierende Person Husten entwickelt, und liefert ohne Ausgangsrate keine absolute Wahrscheinlichkeit. Die breiten Konfidenzintervalle zeigen zusätzliche Unsicherheit. Nicht einheitliche Expositionsmessung, Tabakmischkonsum und begrenzte langjährige Exposition erschweren die Einordnung.

Für dauerhafte Atemwegsobstruktion und Veränderungen der Lungenfunktion war die Datenlage in diesem Review unzureichend. „Nicht ausreichend belegt“ ist keine Bestätigung, dass ein Risiko ausgeschlossen wäre. Gleichzeitig sollte die Unsicherheit nicht als Beweis einer bestimmten Krankheit dargestellt werden. Ghasemiesfe et al. (2018)

Was ist von der kleinen Umstiegsstudie zu halten?

Van Dam und Earleywine untersuchten 20 häufige Cannabisnutzer mit mindestens zwei respiratorischen Symptomen vor und nach einem Monat Vaporizer-Nutzung. Zwölf Personen ohne Atemwegserkrankung während des Versuchs bildeten die zentrale Auswertung. Symptome und FVC verbesserten sich; die FEV1-Veränderung war nicht statistisch signifikant. Van et al. (2010)

FVC bezeichnet das gesamte bei forcierter Ausatmung abgegebene Volumen, FEV1 den Anteil der ersten Sekunde. Die Unterscheidung verhindert, dass aus einem positiven Einzelbefund pauschal „verbesserte Lungenfunktion“ wird. Die Studie hatte keine randomisierte Kontrollgruppe. Erwartungen, Veränderungen anderer Gewohnheiten und die Auswahl der analysierten Teilgruppe können die Ergebnisse beeinflusst haben.

Das angemessene Urteil ist ein vorläufiges Signal, das kontrollierte Forschung rechtfertigt. Eine nachgewiesene Therapie von Atemwegserkrankungen durch einen Vaporizer lässt sich daraus nicht ableiten. Auch ein Vorher-Nachher-Vergleich einer einzelnen Person hätte ohne Kontrolle nur begrenzte kausale Aussagekraft.

Was ergänzen CANUCK und PATH?

CANUCK untersuchte 139 Cannabisraucher und 57 Nie-Raucher im Querschnitt. Höhere Joint-Year-Exposition war mit ungünstigeren Atemwegsbefunden, bestimmten Bildgebungsauffälligkeiten und Unterschieden im Atemwegsepithel verbunden. Die kombinierte Untersuchung mehrerer Ebenen ist eine Stärke. Allerdings hatten 84 Prozent der Cannabisgruppe aktuell oder früher Zigaretten geraucht oder gevapt. Dieser starke Mischkonsum begrenzt die Zuordnung. Leung et al. (2026)

PATH beobachtete 5.211 Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren ohne zuvor berichtete respiratorische Erkrankung über zwei Erhebungswellen. Für ausschließliches Rauchen betrug die adjustierte Odds Ratio neuer funktionell relevanter Atemwegssymptome 3,04 (95%-KI 1,64–5,64), für Rauchen plus Vaping 4,36 (2,12–8,96). Für ausschließliches Vaping lag sie bei 0,93 (0,20–4,43). Nach Ausschluss von Tabaknutzern blieb nur der Zusammenhang für Doppelnutzung statistisch signifikant. Sun et al. (2026)

Gerade der letzte Punkt gehört unmittelbar zum Ergebnis. Die kleine Vaping-Untergruppe und das sehr breite Konfidenzintervall verhindern eine belastbare Entwarnung. Außerdem wurden Dry-Herb-Produkte nicht ausreichend von anderen Cannabis-Vapes getrennt. Die Zahlen liefern daher keinen präzisen Vergleich „moderner Blütenvaporizer gegen Joint“.

Warum sind die neuen Studien kein Widerspruch zum Labor?

Laborstudien können ausgewählte Stoffe unter kontrollierten Bedingungen vergleichen. Bevölkerungsstudien erfassen reale, wechselnde und oft gemischte Nutzung. Eine niedrigere CO-Messung und ein weiterhin beobachtetes respiratorisches Risiko schließen sich deshalb nicht aus. Unterschiedliche Endpunkte und Produkte erklären einen Teil scheinbarer Widersprüche. Abrams et al. (2007) Leung et al. (2026) Sun et al. (2026)

Für einen aussagekräftigen Langzeitvergleich müssten frühere Raucherfahrung, Tabak, Produktart, Konsumhäufigkeit und Wechsel zwischen Konsumformen wiederholt dokumentiert werden. Einmalige Selbstauskunft kann eine mehrjährige Expositionsgeschichte nur unvollständig abbilden. Ebenso kann eine statistische Adjustierung unbeobachtete Unterschiede nicht vollständig beseitigen.

Was lässt sich über COPD und Krebs sagen?

Der respiratorische Review konnte die Fragen zu Obstruktion und Lungenfunktion nicht abschließend beantworten. Eine gesonderte systematische Auswertung zu Krebs fand insgesamt unzureichende Evidenz für mehrere konkrete Krebsarten, darunter Lungenkrebs. Geringe langjährige Exposition und Tabak-Confounding gehörten zu den Grenzen. Diese Unsicherheit ist von der gesicherten Tatsache zu trennen, dass Cannabisrauch potenziell schädliche Verbrennungsprodukte enthält. Ghasemiesfe et al. (2018) Ghasemiesfe et al. (2019) Moir et al. (2008)

Wie sollte man den Vergleich praktisch lesen?

Die belastbarste Kurzfassung ist: weniger ausgewählte Verbrennungsmarker unter untersuchten Dry-Herb-Bedingungen, interessante aber vorläufige Symptomdaten und offene Fragen zu langfristigen klinischen Endpunkten. Ein Wasserfilter oder angenehm kühler Dampf erweitert diese Evidenz nicht automatisch. Abrams et al. (2007) Van et al. (2010)

Der Gesundheitsüberblick behandelt verbleibende THC-Risiken. Verdampfung vs. Verbrennung erklärt Aerosolchemie und Messmethoden. Der Joint-Vergleich ergänzt Kosten und praktische Unterschiede, ohne die Atemwegszahlen als Kaufversprechen zu verwenden.

Studien im Detail: Methoden, Ergebnisse und Grenzen

Die folgenden Kästen machen die zentralen Quellen und ihre Übertragungsgrenzen nachvollziehbar. Eine Geräte- oder Pharmakokinetikstudie ist kein automatischer Beleg für langfristige gesundheitliche Sicherheit. Bei technischen Artikeln sind die Studien häufig nur für die ausdrücklich bezeichnete Abgrenzung von Gesundheits- und Ausbeuteaussagen relevant.

Abrams DI et al. (2007)

Untersuchung
Randomisierte kontrollierte Pilotstudie, wiederholte Messungen
Stichprobe
18 gesunde stationäre Cannabisnutzer
Vergleich und Messung
Vergleich standardisierte gerauchte Cannabiszigarette vs. Volcano-Vaporizer; Plasma-THC, ausgeatmetes CO, physiologische und neuropsychologische Effekte.
Randomisierung und Verblindung
Ja. Cannabisstärke (1,7%, 3,4%, 6,8% THC) und Applikationssystem wurden über sechs Studientage randomisiert zugeteilt.
Ergebnis
THC-Exposition war zwischen Rauchen und Vaporisieren ähnlich; ausgeatmetes CO war nach Vaporisation deutlich niedriger; keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse.
Stärken
Direkter kontrollierter Head-to-head-Vergleich; objektive Biomarker; randomisiert.
Grenzen und mögliche Verzerrung
Sehr kleine Stichprobe; Pilotcharakter; ältere und im Vergleich zu heutigen Produkten niedrige THC-Potenzen; keine Langzeitendpunkte.

Abrams DI, Vizoso HP, Shade SB, Jay C, Kelly ME, Benowitz NL. 2007. Vaporization as a smokeless cannabis delivery system: a pilot study. Clinical pharmacology and therapeutics. DOI: 10.1038/sj.clpt.6100200 · PMID 17429350

Newmeyer MN et al. (2017)

Untersuchung
Kontrollierte Within-subject-Studie mit Placebobedingung
Stichprobe
20 Teilnehmer: 11 häufige und 9 gelegentliche Cannabiskonsumenten
Vergleich und Messung
Placebo vs. aktives Cannabis (6,9% THC, etwa 54 mg) geraucht, vaporisiert oder oral; subjektive Effekte, Herzfrequenz und ausgeatmetes CO.
Randomisierung und Verblindung
Kontrolliertes Studienprotokoll; dieselbe NIDA-Crossover-Kohorte wurde in zugehörigen Arbeiten als randomisiert/doppelblind beschrieben.
Ergebnis
Rauchen und Vaporisieren erhöhten subjektive Effekte; Herzfrequenz stieg nach allen aktiven Konsumformen; Rauchen erhöhte CO signifikant stärker als Vaporisation.
Stärken
Direkter Drei-Wege-Vergleich; objektiver CO-Endpunkt; separate Auswertung häufiger und gelegentlicher Nutzer.
Grenzen und mögliche Verzerrung
Sehr kleine Stichprobe; hohe Dosis; Toleranzunterschiede; mehrere Publikationen nutzen dieselbe Kohorte und dürfen nicht als unabhängige Studien gezählt werden.

Newmeyer MN, Swortwood MJ, Abulseoud OA, Huestis MA. 2017. Subjective and physiological effects, and expired carbon monoxide concentrations in frequent and occasional cannabis smokers following smoked, vaporized, and oral cannabis administration. Drug and alcohol dependence. DOI: 10.1016/j.drugalcdep.2017.02.003 · PMID 28407543

Ghasemiesfe M et al. (2018)

Untersuchung
Systematischer Review und Meta-Analyse
Stichprobe
22 Studien (10 prospektive Kohorten, 12 Querschnittsstudien).
Vergleich und Messung
PubMed, Embase, PsycINFO, MEDLINE, Cochrane 1973–30.04.2018; PROSPERO; 4 Reviewer für Extraktion/ROB, 3 für Evidenzstärke; Pooling nur ähnlicher Studien mit ausreichend geringer Verzerrung.
Randomisierung und Verblindung
Überwiegend nicht randomisierte Beobachtungsstudien.
Ergebnis
22 Studien insgesamt. Gepoolte prospektive Symptomdaten aus zwei Studien: Husten RR 2,04 (95%-KI 1,02–4,06), Auswurf RR 3,84 (1,62–9,07). Die Autoren bewerteten die Evidenzstärke für respiratorische Symptome als gering; für Obstruktion und Lungenfunktion unzureichende Evidenz.
Stärken
Sehr saubere Methodik; PROSPERO; mehrere Reviewer; Risiko- und Evidenzbewertung; differenzierte Schlussfolgerungen.
Grenzen und mögliche Verzerrung
Primärstudien meist Beobachtungsdaten; Expositionsmessung und Tabak-Confounding; bei sehr hoher lebenslanger Exposition wenig Daten.

Ghasemiesfe M, Ravi D, Vali M, Korenstein D, Arjomandi M, Frank J, Austin PC, Keyhani S. 2018. Marijuana Use, Respiratory Symptoms, and Pulmonary Function: A Systematic Review and Meta-analysis. Annals of internal medicine. DOI: 10.7326/M18-0522 · PMID 29971337 · PMC6231497

Van Dam NT, Earleywine M (2010)

Untersuchung
Einarmige Pre-/Post-Interventionsstudie
Stichprobe
20 häufige Cannabisnutzer mit mindestens zwei respiratorischen Symptomen; 12 ohne interkurrente Atemwegserkrankung bildeten die zentrale Auswertung.
Vergleich und Messung
Ein Monat Umstieg auf Vaporizer; neun subjektive respiratorische Symptome plus Spirometrie (FEV1, FVC) vor/nach Intervention.
Randomisierung und Verblindung
Nein.
Ergebnis
Bei den 12 ohne Atemwegsinfekt besserten sich Symptome stark; FVC signifikant; FEV1 numerisch verbessert, knapp nicht signifikant.
Stärken
Prospektive Intervention; objektive Spirometrie zusätzlich zu Symptomen.
Grenzen und mögliche Verzerrung
Sehr klein; keine Kontrollgruppe; Selektion der 12 Teilnehmer kann Bias erzeugen; kurze Dauer; kein Blinding.

Van Dam NT, Earleywine M. 2010. Pulmonary function in cannabis users: Support for a clinical trial of the vaporizer. The International journal on drug policy. DOI: 10.1016/j.drugpo.2010.04.001 · PMID 20451365

Leung C et al. (2026)

Untersuchung
Querschnittliche klinische Multimodal-Studie
Stichprobe
139 Cannabisraucher nach Joint-years (≤5, >5–20, >20) und 57 Nie-Raucher; 48% männlich, Medianalter 27; 84% der Cannabisgruppe mit aktuellem/früherem Zigarettenrauchen oder Vaping.
Vergleich und Messung
SGRQ/CAT, Spirometrie, Plethysmographie, Diffusionsmessung, CT, hyperpolarisiertes 129Xe-MRT, Bronchoskopie/Airway-Brushings, Immun-/Mucin-Genexpression und Zellkultur.
Randomisierung und Verblindung
Nein.
Ergebnis
Cannabisrauchgruppen berichteten mehr respiratorische Symptome; hohe Joint-year-Exposition war mit schlechteren Fluss-/Verhältnisparametern, mehr Emphysem-/Ventilationsauffälligkeiten und veränderter epithelialer Immun-/MUC5AC-Signatur assoziiert.
Stärken
Sehr moderne objektive Phänotypisierung; Dosisgruppen; Bildgebung + Physiologie + Molekularbiologie; Adjustierung u.a. für Tabak/Vaping.
Grenzen und mögliche Verzerrung
Cross-sectional, daher keine Kausalität; sehr hoher Anteil an Tabak-/Vape-Coexposition; Residual-Confounding.

Leung C, Gilchrist CL, Wang CJ, Liggins JA, Li X, Yang J, Cheung CY, Gerayeli FV, Singhera GK, Hsu WJ, Lidher LS, Moo K, Leyson E, Dhillon SS, Shaipanich T, Leipsic JA, Guenette JA, Rayment JH, Kirby M, Gershon AS, Sadatsafavi M, Tan WC, Parraga G, Carlsten C, Eddy RL, Sin DD, Leung JM. 2026. Clinical, physiological, imaging and molecular responses to cannabis smoking: the Canadian Users of Cannabis Smoke (CANUCK) study. The European respiratory journal. DOI: 10.1183/13993003.01659-2025 · PMID 41198398 · PMC12805821

Sun R et al. (2026)

Untersuchung
Nationale longitudinale Beobachtungsstudie (PATH)
Stichprobe
5.211 junge Erwachsene (18–24 Jahre) ohne vorherige respiratorische/pulmonale Erkrankung, Wave 6→7.
Vergleich und Messung
Baseline 2021, Follow-up bis 2023; multivariable logistische Regression, Adjustierung für Demografie, andere Substanzen, Gesundheitsfaktoren, Adipositas und Cannabisfrequenz.
Randomisierung und Verblindung
Nein.
Ergebnis
Vaping-only war nicht signifikant mit neuen funktionell relevanten respiratorischen Symptomen assoziiert (AOR 0,93; sehr breites KI); smoking-only AOR 3,04; dual use AOR 4,36. Nach Ausschluss von Tabaknutzern blieb nur dual use signifikant.
Stärken
Große longitudinale, national repräsentative Stichprobe; Ausgangsgruppe frei von respiratorischer Erkrankung; Confounder-Adjustierung.
Grenzen und mögliche Verzerrung
Nur 2,1% Vaping-only → geringe Power und sehr breites KI; Produktart (Dry Herb vs. Öl/Cartridge) nicht ausreichend granular; Selbstbericht.

Sun R, Benowitz NL, Hammond D, Mendez D, Warner KE. 2026. Cannabis Vaping, Smoking, and Dual Use and the Onset of Respiratory Symptoms Among U.S. Young Adults. American journal of preventive medicine. DOI: 10.1016/j.amepre.2026.108421 · PMID 42142848

Ghasemiesfe M et al. (2019)

Untersuchung
Systematischer Review und Meta-Analyse
Stichprobe
25 Studien: 19 Fall-Kontroll-, 5 Kohorten-, 1 Querschnittsstudie; nur 2 Studien mit niedrigem Biasrisiko.
Vergleich und Messung
PubMed, Embase, PsycINFO, MEDLINE, Cochrane 1973–2019; unabhängiges Screening und Evidenzbewertung; Meta-Analyse nur bei ausreichend vergleichbaren Studien.
Randomisierung und Verblindung
Nein.
Ergebnis
Niedrige Evidenzstärke für erhöhtes Risiko testikulärer Keimzelltumoren bei regelmäßiger Nutzung; Evidenz für Lunge und andere Krebsarten insgesamt unzureichend.
Stärken
Methodisch streng; Risiko-von-Bias und Evidenzstärke transparent; verhindert Übertreibung des Krebsarguments.
Grenzen und mögliche Verzerrung
Langzeitexposition oft zu gering; starke Tabak-Konfundierung; alte Produkte mit anderer Potenz; selten genaue Konsumform.

Ghasemiesfe M, Barrow B, Leonard S, Keyhani S, Korenstein D. 2019. Association Between Marijuana Use and Risk of Cancer: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA network open. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2019.16318 · PMID 31774524 · PMC6902836

Moir D et al. (2008)

Untersuchung
Analytische Maschinenrauch-Studie
Stichprobe
Keine Humanprobanden; standardisierte Cannabis- und Tabakzigaretten unter zwei Maschinenrauchbedingungen.
Vergleich und Messung
Chemische Charakterisierung von Mainstream- und Sidestream-Rauch; bekannte toxische und kanzerogene Komponenten.
Randomisierung und Verblindung
Nicht anwendbar.
Ergebnis
Qualitativ ähnliche Schadstoffklassen wie Tabakrauch, aber quantitative Unterschiede; u.a. deutlich mehr Ammoniak sowie mehr HCN/NOx/einige aromatische Amine in bestimmten Cannabisrauchbedingungen.
Stärken
Direkter standardisierter chemischer Vergleich; objektive Analytik.
Grenzen und mögliche Verzerrung
Maschinenrauch ≠ reale Exposition; pro Materialmenge, nicht pro typischem Konsumtag; darf nicht zu „Cannabis ist schädlicher als Tabak“ umgedeutet werden.

Moir D, Rickert WS, Levasseur G, Larose Y, Maertens R, White P, Desjardins S. 2008. A comparison of mainstream and sidestream marijuana and tobacco cigarette smoke produced under two machine smoking conditions. Chemical research in toxicology. DOI: 10.1021/tx700275p · PMID 18062674

Häufige Fragen

Welche Frage beantworten die verschiedenen Messungen?

Ausgeatmetes CO ist ein Marker für eine bestimmte Exposition, keine Diagnose einer Lungenerkrankung. Ein Fragebogen kann Husten, Auswurf oder pfeifende Atmung erfassen. Spirometrie misst dagegen Luftvolumina und Flüsse. Bildgebung kann strukturelle oder funktionelle Auffälligkeiten zeigen. Keine dieser Ebenen ist automatisch ein Ersatz für die anderen.

Was zeigen die direkten CO-Vergleiche?

Abrams untersuchte 18 gesunde Cannabisnutzer im kontrollierten Vergleich von Cannabiszigarette und Volcano. Der geringeren CO-Exposition beim Vaporisieren stand eine ähnliche THC-Exposition gegenüber. Die zweite kontrollierte Untersuchung mit 20 Personen verglich Rauchen, Vaporisieren und orale Gabe; auch dort lag der CO-Anstieg beim Rauchen höher. Abrams et al. (2007) Newmeyer et al. (2017)

Wie stark ist der Zusammenhang zwischen Cannabisrauch und Husten?

Der systematische Review von Ghasemiesfe umfasste 22 Studien. Die gepoolte Analyse von zwei prospektiven Studien fand ein relatives Risiko für Husten von 2,04 (95%-KI 1,02–4,06) und für Auswurf von 3,84 (1,62–9,07). Die Autorinnen und Autoren bewerteten die Evidenz zu respiratorischen Symptomen als gering. Die Zahlen stammen also nicht aus 22 gleichartigen randomisierten Versuchen. Ghasemiesfe et al. (2018)

Literaturverzeichnis

  1. Abrams DI, Vizoso HP, Shade SB, Jay C, Kelly ME, Benowitz NL. 2007. Vaporization as a smokeless cannabis delivery system: a pilot study. Clinical pharmacology and therapeutics. DOI: 10.1038/sj.clpt.6100200 · PMID 17429350
  2. Newmeyer MN, Swortwood MJ, Abulseoud OA, Huestis MA. 2017. Subjective and physiological effects, and expired carbon monoxide concentrations in frequent and occasional cannabis smokers following smoked, vaporized, and oral cannabis administration. Drug and alcohol dependence. DOI: 10.1016/j.drugalcdep.2017.02.003 · PMID 28407543
  3. Ghasemiesfe M, Ravi D, Vali M, Korenstein D, Arjomandi M, Frank J, Austin PC, Keyhani S. 2018. Marijuana Use, Respiratory Symptoms, and Pulmonary Function: A Systematic Review and Meta-analysis. Annals of internal medicine. DOI: 10.7326/M18-0522 · PMID 29971337 · PMC6231497
  4. Van Dam NT, Earleywine M. 2010. Pulmonary function in cannabis users: Support for a clinical trial of the vaporizer. The International journal on drug policy. DOI: 10.1016/j.drugpo.2010.04.001 · PMID 20451365
  5. Leung C, Gilchrist CL, Wang CJ, Liggins JA, Li X, Yang J, Cheung CY, Gerayeli FV, Singhera GK, Hsu WJ, Lidher LS, Moo K, Leyson E, Dhillon SS, Shaipanich T, Leipsic JA, Guenette JA, Rayment JH, Kirby M, Gershon AS, Sadatsafavi M, Tan WC, Parraga G, Carlsten C, Eddy RL, Sin DD, Leung JM. 2026. Clinical, physiological, imaging and molecular responses to cannabis smoking: the Canadian Users of Cannabis Smoke (CANUCK) study. The European respiratory journal. DOI: 10.1183/13993003.01659-2025 · PMID 41198398 · PMC12805821
  6. Sun R, Benowitz NL, Hammond D, Mendez D, Warner KE. 2026. Cannabis Vaping, Smoking, and Dual Use and the Onset of Respiratory Symptoms Among U.S. Young Adults. American journal of preventive medicine. DOI: 10.1016/j.amepre.2026.108421 · PMID 42142848
  7. Ghasemiesfe M, Barrow B, Leonard S, Keyhani S, Korenstein D. 2019. Association Between Marijuana Use and Risk of Cancer: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA network open. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2019.16318 · PMID 31774524 · PMC6902836
  8. Moir D, Rickert WS, Levasseur G, Larose Y, Maertens R, White P, Desjardins S. 2008. A comparison of mainstream and sidestream marijuana and tobacco cigarette smoke produced under two machine smoking conditions. Chemical research in toxicology. DOI: 10.1021/tx700275p · PMID 18062674

Redaktioneller Stand: 10. September 2026. Evidenzbasierter Überblick anhand einer ausgewählten Bibliothek von 34 Publikationen; keine eigene systematische Literaturrecherche und keine ärztliche Begutachtung. Bibliografische Angaben und verfügbare Abstracts wurden abgeglichen; die Schlüsselarbeiten von Spindle (2018) und Lanz (2016) zusätzlich im offenen Volltext geprüft. Technische Auswahl- und Pflegehinweise sind von Gesundheitsnachweisen zu unterscheiden. Neue Daten können diese Einordnung verändern.

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